Branchen mit geregelter Trinkgeldpraxis begrüssen Entscheid des Ständerats, Trinkgeld von Abgaben zu befreien
Am Montag hat der Ständerat die Trinkgeld-Motion angenommen. Er setzt sich damit für eine Regelung im Sinne der betroffenen Branchen ein. Als Nächstes ist der Nationalrat am Zug.
Trinkgeld gehört den Angestellten: Dafür hat sich am Montag der Ständerat mit der Annahme der Motion von Ständerat Beat Rieder 25.4578 «Das freiwillige Trinkgeld ist nicht Teil des Gehalts» ausgesprochen. In Branchen, in denen das Trinkgeld bereits im Preis enthalten ist – etwa im Gastgewerbe, in der Coiffure- oder Kosmetikbranche – sollen zusätzliche freiwillige Trinkgelder künftig abgabefrei sein. Beat Imhof, Präsident von GastroSuisse, sagt: «Endlich schafft das Parlament Rechtssicherheit beim Trinkgeld! Wir begrüssen diesen Entscheid.»
Bundesrat will Trinkgelder vermehrt abgabepflichtig machen
Heute gilt: Trinkgelder sind sozialabgabe- und steuerpflichtig, wenn sie einen wesentlichen Teil des Arbeitsentgeltes ausmachen. Der Bundesrat möchte nun in der AHV-Verordnung den Begriff «wesentlich» präzisieren*. Damit drohen höhere Abgaben auf Trinkgelder.
Das würde in erster Linie die Arbeitnehmenden treffen. Sie wären finanziell schlechter gestellt, denn sie müssten einen Teil des erhaltenen Trinkgelds als Sozialabgabe und Einkommenssteuer an den Staat abtreten. Aber auch auf die Betriebe würden höhere Kosten zukommen, denn sie müssten vermehrt Sozialabgaben auf Trinkgelder leisten. Zudem müssten sie stets mühsam ausrechnen, ob Trinkgelder nun abgabepflichtig sind oder nicht. Das wäre mit einem kaum zu leistenden administrativen Aufwand verbunden.
Deshalb setzen sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen gemeinsam gegen die Pläne des Bundesrats ein. Roger Lang, Leiter Recht und Sozialpolitik bei der Hotel und Gastro Union, sagt: «Abgaben auf Trinkgeld schaden Arbeitnehmenden mit bereits moderaten Löhnen.»
Motion geht in den Nationalrat
Die Trinkgeld-Motion schliesst Umgehungsmöglichkeiten aus: Denn die Abgabebefreiung ist nur in Branchen vorgesehen, in welchen Trinkgeld nicht Teil des Lohns sein darf. In Deutschland sind freiwillige Trinkgelder bereits seit über 20 Jahren von Abgaben befreit. Diese Regelung gilt als völlig unbestritten. Die Schweizer Branchen mit geregelter Trinkgeldpraxis fordern deshalb die Mitglieder des Nationalrats auf, dem Ständerat zu folgen und die Motion Rieder ebenfalls anzunehmen.
*Trinkgelder gehören dann zum beitragspflichtigen Lohn, wenn sie einen wesentlichen Anteil des Arbeitsentgelts ausmachen. (Art. 5 Abs. 2 AHVG)
Unterstützende Organisationen und Medienkontakte
sgv (Simon Schnyder, Ressortleiter Sozial- und Gesundheitspolitik, 077 425 39 75, s.schnyder@sgv-usam.ch)
SAV (Lisa Schaller, Stv. Leiterin Ressort Kommunikation, 079 566 14 99, lisa.schaller@arbeitgeber.ch)
GastroSuisse (Beat Imhof, Präsident, 044 377 53 53, beat.imhof@gastrosuisse.ch)
Hotel & Gastro Union HGU (Roger Lang, Leiter Recht und Sozialpolitik, 079 716 79 64, roger.lang@hotelgastrounion.ch)
HotellerieSuisse (Vinzenz van den Berg, Leiter Unternehmenskommunikation, 031 370 41 40, media@hotelleriesuisse.ch)
Schweizer Fachverband für Kosmetik SFK (Eva Lehner, Präsidentin, e.lehner@sfkinfo.ch)
CoiffureSUISSE (Damien Ojetti, président central, 079 927 80 78, ojetti@coiffuresuisse.ch)
CafetierSuisse (Hans-Peter Oettli, Präsident, 044 201 67 77, h.oettli@cafetier.ch)
Schweizerischer Bäcker-Confiseurmeister-Verband SBC (Urs Wellauer-Boschung, Direktor, 031 388 14 14, urs.wellauer@swissbaker.ch)
Schweizer Bar und Club Kommission (Alexander Bücheli, Vorstandsmitglied, 076 574 49 76, buecheli@bckzh.ch)
Schweizer Gastronomie Grossunternehmen SGG (Daniel Müller, Präsident, daniel.mueller@bindella.ch)
Allpura Arbeitgeberverband für Gebäudedienstleistungen (Jürg Brechbühl, Präsident, 079 428 47 70, j.brechbuehl@allpura.ch)
Schweizerischer Fitness- und Gesundheitscenter Verband SFGV (Claude Ammann, Präsident, 079 207 97 12, c.ammann@sfgv.ch)